Mit noch nie dagewesener Wirkung und Geschwindigkeit verbreitet es sich ein Virus auf dem ganzen Globus. Corona zeigt mit aller Härte, was es drauf hat. Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Warnungen und Hiobsbotschaften in den Medien verbreitet werden. Unzählige Menschen leiden und sterben an den Folgen der Infektion. Die Weltwirtschaft ist in den Grundfesten erschüttert und kommt annähernd zum Erliegen. Ein Szenario, das sich vor Wochen vermutlich kein Mensch vorstellen konnte.

Die Wirtschaft, ein Motor der lief wie geschmiert

Bislang waren wir gewohnt, dass Firmen jedes Jahr satte Gewinne einfuhren, besonders die börsennotierten. Auf den Aktionärsversammlungen wurden satte Zuwächse erwartet. Um die Wünsche der Aktionäre zu befriedigen wurde in den Firmen rationalisiert, die Lagerbestände heruntergefahren, und alles Unnötige, Teure und Umweltschädigende ins Ausland verlagert. Die Unternehmen standen mit feiner, weißer Weste da. Wenn nach kaufmännischer Analyse bei ausländischer Produktion auch nur 1 Cent mehr verdient wurde, dann zog man das durch. Wie viele heimische, treue Lieferanten auf der Strecke blieben, das  war egal. Das finanzielle Ergebnis des Betriebes war das Maß aller Dinge.

Damit dieses System reibungslos funktionierte, transportierten Frachtflugzeuge und mit Schweröl betriebene Containerschiffe unablässig Waren um die halbe Welt. Klimatischen Auswirkungen interessierten wenige. Die Hauptsache war, dass die Konsumgüter ständig, ausreichend und billig in heimischen Regalen lagen.

China reichte uns die Hand und viele Geldscheine

Die cleveren Asiaten sorgten mit ihrer Einkaufstaktik dafür, dass wir Europäer Zug um Zug abhängiger von ihrer Produktion wurden. Für innovative Firmen legten die Geschäftsmänner aus dem Osten viel Geld auf den Tisch. Was anfänglich nach dem großen Deal aussah, entpuppte sich zunehmend als reines Absaugen von lange entwickeltem Know How. Mit diesem Wissen blühte die chinesische Wirtschaft auf, und zeigte dem Rest der Welt, wie Wachstum funktioniert.

Alles nur aufgeblasen?

Wenn ich unser bisheriges wirtschaftliches Leben betrachte komme ich zu der Erkenntnis, dass wir uns in eine regelrechte Scheinwelt hineinmanövriert haben. Die Wertschätzung für Nahrungsmittel, handwerkliche Arbeit, sozialer Umgang, menschliche Werte und Übernahme von Verantwortung verschwand immer mehr. Wir verloren uns in Bürokratie, Zocken mit fragwürdigen Geldanlagen, Ellenbogenmentalität und Streben nach Hochschulabschlüssen. Handwerkliche Berufe – die sind was für Hauptschüler! So war die allgemeine Meinung.
Wenn ihr mich fragt, so glaube ich, dass die Zeit reif dafür war, dass jemand auf den Reset-Knopf drückt. Dass dies ausgerechnet ein unbedeutendes Virus tut, das hat wohl alle überrascht.

Made in Germany

Als Konsequenz und Lehre aus dem Ganzen sehe ich eine Rückbesinnung auf die regionale Versorgung mit Wirtschaftsgütern, Pharmaka, Nahrungsmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs. Vieles ließe sich wieder in Deutschland produzieren. Auch wenn es auf den ersten Blick ein Stück weit teurer ist. Made in Germany, das war mal der Inbegriff für beste Qualität. Dieses Siegel findet man leider nur noch selten. Ich wünsche mir aber, dass es in Zukunft wieder auf vielen Produkten zu entdecken ist.

Prioritäten ändern sich

So schlimm das Virus für den Einzelnen sein kann: Es soll uns alle zum Nachdenken über unser Verhalten anregen. Ich hoffe, es schenkt uns eine neue Achtsamkeit für die wesentlichen Dinge des Lebens wie Anstand, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und was ich mir als Landwirt besonders wünsche: Die Wertschätzung von Lebensmitteln und die Arbeit der Bauern, die diese erzeugen.