Es ist Sommer in Deutschland. Ein Tag heißer als der andere. Der Norden unserer Republik leidet schon seit längerer Zeit unter extremer Trockenheit, hier bei uns im Süden waren die Verhältnisse bislang noch erträglich.
Die Folge des Wassermangels sind erhebliche Ernteausfälle und enorme Kosten, um zum Beispiel den Tieren das nötige Wasser, und das Futter zu beschaffen. Viele Betriebe füttern schon jetzt ihre Vorräte, die für den Winter eingelagert waren, und verkaufen aus der Not heraus einen Teil ihrer Rinder. Sorgenvoll blicken sie in die Zukunft.

Sofortige Hilfe

Diese Situation hatten wir gottlob schon länger nicht mehr, aber der Klimawandel macht auf sich aufmerksam, und fordert seinen Tribut.
Verständlich, dass der Bauernverband die Lage seiner Bauern erkennt, und ein sofortiges Hilfspaket fordert. Mit einer Milliarde Euro soll betroffenen Landwirten unter die Arme gegriffen werden. Eine Menge Geld. Auf den ersten Blick erscheint diese Hilfe- sofern sie überhaupt bewilligt wird – die Notlage zu lindern. Aber wie kommt diese Aktion bei den  Konsumenten an? Werden diese nicht argumentieren: „Jetzt bekommen die Bauern schon wieder Geld? Die brauchen nur zu jammern, und schon wird denen geholfen!“
Ich kann Menschen verstehen, die so denken. Aus meiner Lebenserfahrung heraus kann ich auch beurteilen, dass es bei so überstürzten Hilfsprogrammen meist zu Ungerechtigkeiten bei der Verteilung der Gelder kommt. Irgendwelche Schlaufüchse holen sich die großen Kuchenstücke vom Tablett, und der Rest muss sich mit den Krümeln begnügen.

Die freie Marktwirtschaft

Wir Bauern sind doch längst in der freien Marktwirtschaft angekommen. Hier regeln Angebot und Nachfrage den Preis. Diese Trockenheit ist ein europäisches Problem, kein regionales. Wenn Produkte auf dem Markt fehlen, dann lassen sich diese nicht so einfach von wo anders her einführen. Das Angebot wird knapp, und der Preis steigt unwillkürlich.
Warum lassen wir nicht einfach den Markt spielen? Mir persönlich wäre ein höherer Produktpreis wesentlich lieber als das beklemmende Gefühl, wieder mal Bittsteller gewesen zu sein.

Zu schade für die Mülltonne

Der angenehme Charme dieser Methode wäre, dass die Wertschätzung für die von uns erzeugten Produkte steigt. Ich bin immer wieder verärgert, wenn ich bei unseren Feriengästen sehe, wie viele  Lebensmittel, denen gar nichts fehlt, im Kompost oder gar im Restmüll landen. Einmal reingebissen, festgestellt, dass es nicht schmeckt, und sofort in den Mülleimer. Leute so geht das nicht. Kauft bewusster ein, am besten regional oder bio und schaut, dass die Produkte komplett verspeist werden.
Meine Frau hat das Kochen und das Haushalten  von der Pike auf gelernt. Fertigprodukte gibt es bei uns in den seltensten Fällen, außer mal eine Pizza bei der Ernte, wenn niemand Zeit zum Kochen hat. Ich bin vehement dafür, dass schon bei der Kindererziehung, und später in der Schulausbildung mehr Wert auf die Themen Essenszubereitung und Haushaltsführung gelegt wird.

Geld löst nicht alle Probleme

Mit Geld werden die Regale in den Supermärkten auch nicht voller. Dies muss uns klar werden. Das was wir brauchen, sind ein gewisses Umdenken und ein konsequentes Handeln. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Ressource Wasser, weniger Bodendruck durch schwere Maschinen auf den Äckern, mehr Einsatz von organischen Düngern zur Förderung einer krümeligen Bodenstruktur, angepasste Fruchtfolgen, und eine Unkrautbekämpfung, bei der wieder mehr gehackt als gespritzt wird.
Dass diese Maßnahmen nicht der alleinige Schlüssel zum Erfolg sein werden, leuchtet mir auch ein. Wenn wir kommende Dürreperioden einigermaßen überstehen wollen, müssen wir uns von gewohnten Denkmustern verabschieden, den Kopf über den Tellerrand strecken, und in Richtung Süden und schauen, wie es die Bauern dort machen. Mit den neuen Herausforderungen müssen wir uns  anfreunden, ob wir wollen oder nicht.